CDU-Jubiläumswanderung begleitet von Sonne und Regen, Blitz und Donner


Mühlhausen – rka – Natur- und Landschaftsschutz, die Bewahrung der Schöpfung zählen schon seit Jahrzehnten zu den Kernthemen für die CDU Mühlhausen-Rettigheim-Tairnbach. Dazu gehört auch die jährlich im Frühjahr stattfindende Naturwanderung, die in diesem Jahr ein kleines Jubiläum feierte. Denn zum 20. Mal hatte man alle Naturfreunde aus nah und fern zu einem Ausmarsch eingeladen, „um den Menschen die Schönheit der Heimat näherzubringen“, so der CDU-Vorsitzende Peter Becker in seiner Begrüßung. Schon seit Jahrzehnten werde der Natur- und Umweltschutz von der CDU ganz groß geschrieben, und das große Interesse an dieser informativen Wanderung zeige, dass dies von der Bevölkerung auch geschätzt und anerkannt werde. Denn über 70 Natur- und Wanderfreunde waren trotz der negativen Wetterprognosen zum Start an der Winzerhalle gekommen, unter ihnen der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Klein, die Zweitkandidatin Stephanie Kretz und Bürgermeister Jens Spanberger.

In seinem Grußwort wies der Landtagsabgeordnete Karl Klein darauf hin, wie sehr man in der Gemeinde darauf geachtet habe, alle Maßnahmen „im Einklang mit der Natur“ zu verwirklichen. Als Beispiele nannte er die Tongrube Rettigheim, die Ortsumgehung Mühlhausen und das Hochwasserrückhaltebecken. Alle Eingriffe in die Landschaft seien um das Mehrfache ausgeglichen worden. Immerhin seien noch 80 Prozent der unbebauten Gemarkungsfläche Natur- und Landschaftsschutzgebiete. „Dieser Schutz steht in unserer Gemeinde seit Jahrzehnten an vorderster Stelle“, so der Landtagsabgeordnete. Dies sei auch mit ein Verdienst der Landwirte und der am Naturschutz direkt beteiligten Ortsvereine.

Josef Zöllner, Geschäftsführer des Abwasser- und Hochwasserschutzverbands Wiesloch (AHW) legte in seinen Ausführungen den Schwerpunkt auf den Hochwasserschutz, wobei er klar herausstellte: „Das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) dient in erster Linie den Menschen“. Es sei im Jahre 1984 zum Schutz für die Bevölkerung gebaut worden und bewahre bei Starkregen vor Hochwasser. Es biete in Zukunft Schutz vor einem Hochwasser, das statistisch alle hundert Jahre auftreten könne. Dazu rechne man noch einen Faktor für die zu erwartende Klimaerwärmung. Das ursprünglich als Stausee geplante Gewässer habe sich inzwischen zu einem wertvollen Biotop entwickelt.

Das HRB hat ein Einzugsgebiet von 42 Quadratkilometern und wird durch den Waldangelbach und den Tairnbach gespeist. Da sich in diesen Gebieten vornehmlich landwirtschaftliche Flächen in Steillagen befinden, werden die Auswaschungen in das HRB befördert und dort abgelagert. So hat hier im Laufe der Jahre eine Verschlammung stattgefunden. Dies hat aber – darauf wies Zöllner mit Nachdruck hin – keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der Anlage. Das Stauvolumen betrage 540 000 Kubikmeter unabhängig davon, ob es mit Schlamm oder Wasser gefüllt ist. Denn gemessen werde ab dem Wasserspiegel, d.h. von der Nulllinie.

Anhand von Schautafeln erläuterte Zöllner den technischen Umbau des Beckens, der nach Abschluss des Wasserrechtsverfahrens in den Jahren 2021/22 verwirklicht werden soll. Dabei werde es keinen Eingriff in das Biotop geben. Aus dem jetzigen HRB mit Dauerstau wird ein sogenanntes Dauerlauf- oder Trockenbecken entstehen. Die beiden Bäche, der Waldangelbach und der Tairnbach fließen dann durch die Regeleinrichtungen hindurch und tragen die Sedimente weiter, sodass sie sich nicht im Beckenbereich absetzen. Bei diesem schonenden Umbau schreitet die Verlandung nur langsam voran, sodass sich mit der Zeit ein Durchfluss der beiden Bäche herausbildet. Zusätzlich zu diesen technischen Maßnahmen wird eine Fischtreppe entstehen, sodass die Fische sowohl in der Fließrichtung als auch aufwärts wandern können. Das gesamte Projekt soll ca. 800 000 Euro kosten, wobei ein Zuschuss von 70 Prozent erwartet wird.

Aus der Sicht des Natur- und Artenschutzes beleuchtete die Naturschutzbeauftragte des Gemeindeverwaltungsverbands Rauenberg, Natascha Lepp, die ökologische Bedeutung des Hochwasserrückhaltebeckens. „Dieses Biotop ist eines der bedeutendsten Stillgewässer im sonst gewässerarmen Kraichgau“, so die Referentin. So sei es aufgrund seiner besonderen Strukturen ein wichtiges Brut- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche seltene Vogelarten. Zehn davon stehen auf der Roten Liste, beispielsweise die Krickente, der Flussregenpfeifer, die Bekassine, der Gelbspötter, die Wasserralle, der Teichrohrsänger und der Eisvogel. Als Teil des Naturschutzgebiets Gräbenwiesen, Spechbach, Weidichberg und Birkenwald sowie Teil der „deutschlandweiten Kulisse zur Erfassung rastender Wasservögel“ habe das Biotop große, überregionale Bedeutung für durchziehende Vögel.

Neben den erwähnten Vogelarten gibt es nach Aussage der Referentin noch Ringelnattern, Grün- und Grasfrösche, Teichmolche, verschiedene Libellenarten, dazu typische Pflanzenarten, die in nährstoffreichen Stillgewässern vorkommen wie Schilf, Blutweiderich, Weidengebüsche, Röhrichte und Schlammflora. Zwar sei durch den Bau des HRB zunächst der natürliche Fließverlauf des Waldangelbachs zerstört worden, doch längerfristig hätten sich neue „sekundäre Lebensbereiche“ entwickelt wie Weiden-Erlenwald, Flachwasserzonen mit Schilfgürtel, Baumüberwuchs, seltene Pflanzen, Kies- und Schlickinseln sowie Tiefzonen. Gerade wegen des strömungsarmen Wassers sieht Natascha Lepp die Notwendigkeit, in weiten Abständen und nur abschnittsweise das verlandende Biotop vom Schlamm zu befreien. Denn eine weitere Verlandung könne dazu beitragen, die derzeitige Zusammensetzung der Arten erheblich zu stören. Die Umweltschutzbeauftragte bat die Verantwortlichen, auch in der Zukunft „den Freizeitdruck so gering wie möglich zu halten“.

Unterbrochen wurden die Ausführungen von Josef Zöllner und Natascha Lepp durch ein heftiges Gewitter mit Starkregen, Blick und Donner. Das Schleusenhäuschen auf der Dammkrone bot den Wanderern Unterschlupf. Dort gab es auch die restlichen Informationen. Zum gemütlichen Beisammensein an der Kelterhalle lachte aber schon wieder die Sonne.

Rudi Kramer

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