Minister Hauk erläutert Notfallplan Wald der Landesregierung vor Ort


Unser Wald ist krank

Auf sehr große Resonanz stieß der Waldgipfel am letzten Freitag mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk in unserem Wald. Besonders bemerkenswert war das große Interesse vor dem Hintergrund des Zeitpunktes am frühen Freitagnachmittag.

Zur Vorgeschichte:
Die CDU unseres Gemeindeverbandes initiierte vor wenigen Wochen in Abstimmung mit dem CDU Gemeindeverband Östringen nach Bekanntwerden des „Notfallplanes Wald“ der Landesregierung Baden-Württemberg diesen Waldgipfel. Mit Unterstützung unseres Landtagsabgeordneten Karl Klein gelang es den zuständigen Minister für den ländlichen Raum, Peter Hauk, in unseren Wald zu holen. Karl Klein begrüsste Minister Hauk, auf dessen Initiative hin in seinem Ministerium der Notfallplan Wald erarbeitet wurde, die zahlreichen Forstmitarbeiter aus Östringen und Mühlhausen und den beiden Landratsämtern, zahlreiche Gemeinderäte aus Mühlhausen und Östringen und zahlreiche interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger. In seinem Eingangsstatement machte Karl Klein deutlich, dass die Situation um unseren Wald als dramatisch zu bezeichnen ist. Er erinnerte an die frühen Neunziger Jahre, als damals die Schwammspinner dem Wald erheblich zugesetzt hatten. „Schon damals hat mir das Herz geblutet.“ Die aktuelle Dimension ist fast noch schwerwiegender, weil es um kein einmaliges Phänomen ginge sondern hier langfristig erhebliche Beeinträchtigungen vorlägen, denen man auch durch nachhaltig wirkende Maßnahmen begegnen müsste.

Forstminister Peter Hauk erläuterte wesentliche Eckpunkte des von der Landesregierung aktuell aufgelegten Notfallplanes Wald. Im Doppelhaushalt 2020/2021 sind anno jeweils 40 Millionen Euro dafür vorgesehen. Teile des Notfallplanes sind langfristig angelegt, andere auch zur sofortigen Schadensbewältigung. Wesentliche Maßnahmen des Krisenmanagementes enthalten Zuschüsse für die Wiederbewaldung, Unterstützung beim Einschlag und der Entsorgung von Schadholz oder auch der Entsorgung von potenziellem Brutmaterial für Schädlinge wie den Borkenkäfer.
 
 
Auf Nachfrage der CDU-Gemeinderatskollegin Appel-Dischinger aus Östringen ergänzte der Minister noch, dass diese erheblichen Aufgabenzuwächse auch eine personelle Verstärkung des Forstpersonals notwendig machen würde, so sind 200 Neueinstellungen vorgesehen, alleine 70 neue Revierförster sollen landesweit eingestellt werden. Einen wichtigen Teil des Notfallplanes Wald entfällt auch auf Forschung und Versuchspflanzungen insbesondere in den Staatswäldern. Hier könnte sich Minister Hauk neben weiteren Baumarten auch die Pflanzungen von Waldnussbäumen und Esskastanien vorstellen.

Dies Ausführungen der Forstleute sowohl von Östringer als auch von Mühlhäuser Seite als auch der Forstämter des Rhein-Neckar-Kreises und des Landkreises Karlsruhe ließen an Deutlichkeit nicht zu wünschen. Die Buche, welches die wichtigste Baumart im Rhein-Neckar-Kreis darstellt, ist erheblich betroffen. Forstrevierleiter Bernd Niederer sagte dazu: „Die Buchen sind hier zu 80 % abgestorben.!“ Der Revierleiter von Östringen, Jochen Kaiser war sich mit ihm im Fazit einig, dass die lange Trockenzeit im Jahr 2018 ursächlich dafür war, aber auch der einstige Rekordsommer 2003 die Buchenbestände schon damals nachhaltig geschädigt hätte. Einig waren sich die Fachleute, dass durch den Klimawechsel bedingt, der Wald sein Gesicht verändern wird. Die Buche wird aus unserem Wald (tonige Böden) verschwinden, künftig wird es mehr zur Pflanzung von Eiche und Elsbeere kommen. Weitere neue Baumarten, die aus den Forschungslaboren oder aus Versuchszüchtungen in den Staatswäldern entstehen, werden künftig in unseren Wäldern heimisch werden. Die Aufwände werden erheblich sein und die Umsetzung wird viele Jahre andauern und eine sichtbare Wirkung für den neutralen Betrachter wird es erst in Jahrzehnten geben.

Einen flammenden Appell richtete der Östringer Bürgermeister Felix Geider an die Landesregierung: „Die Stadt Östringen mit seinen 940 ha Wald erarbeitete die letzten Jahrzehnte in der Waldbewirtschaftung immer eine schwarze Null. Das ändert sich extrem im Jahr 2020. Durch die großen Waldschäden ist der Forst gezwungen erheblich mehr Neupflanzungen vorzunehmen. Statt wie bisher ca. 7000 Setzlinge anno werden es im Jahr 2020 27.000!! sein. So ist im Haushaltsplan der Gemeinde Östringen im Jahr 2020 mit einem Minus von 200.000 Euro zu rechnen“. Sowohl Bürgermeister Geider als auch Bürgermeister Jens Spanberger appellierten an Minister Hauk, dass man zwar für den Notfallplan Wald dankbar sei, dass man aber die Kommunen mit diesem Problem nicht alleine lassen dürfe. Konkret, das Land muss die Kommunen auch mit Blick auf den Wald erheblich mehr unterstützen.
 
 
In seinem Schlusswort betonte Fraktionssprecher Hans Becker, dass dieser Waldgipfel die Erwartungen nicht nur erreicht sondern deutlich übertroffen habe. Der Wald mache nicht an Gemeindegrenzen Halt sondern sei als großes Ganzes zu sehen. Dies erfordere auch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Kommunen und des Landes, der ja für den Staatswald verantwortlich sein. Diese Zusammenarbeit sei in der aktuellen Situation in der sich unser Wald befindet, dringender denn je. Er bedankte sich bei Minister Hauk für seine Teilnahme. Für seine Erläuterungen aber auch für die Bereitschaft sich kritischen Fragen zu stellen. Hans Becker versprach dem Wald auch weiterhin einen besonderen kommunalpolitischen Schwerpunkt zu setzen. Der große Erholungswert und die überragende Bedeutung des Waldes für unser Klima aber auch die Verantwortung für die nachfolgenden Generationen erfordern von den aktuellen Kommunal- und Landespolitikern dafür Verantwortung zu übernehmen.

Hinweis: Die CDU Naturwanderung im Frühsommer 2020 wird sich ausschließlich mit dem Thema Wald befassen. Wir werden rechtzeitig darüber informieren.
Wir bleiben am Ball!!

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